Weihnachtsbrot
Dienstag, den 26. Januar 2010 um 09:52 Uhr

Heute stehen meine Gedanken, die ich mit Ihnen teilen möchte im bunten Umfeld der Weihnachtsanzeigen. Das reichhaltige Angebot zum „Fest“ ist für den Einzelhandel zum absoluten Muss geworden, weil anders die Geschäfte nicht auf ihren kalkulierten Jahresumsatz kommen können. Dabei will ich doch eigentlich mit Ihnen das „Vater unser“ weiter besprechen – und in dieser Folge wäre jetzt die 4. Bitte dran, also die Bitte: „unser tägliches Brot gib uns heute“. Kann es einen krasseren Widerspruch geben? Auf der einen Seite die überquellenden Gabentische, mit Angeboten, deren Sinn ich nicht immer nachvollziehen kann - und auf der anderen Seite diese ganz schlichte Bitte um das einfachste, was wir Menschen zum Leben brauchen: Brot.
Nein – beides gehört enger zusammen, als uns vielleicht lieb ist. Die Gabentische sollen doch von der Freude des Schenkens erzählen, so wie es die Weihnachtsgeschichte auf ihre Weise tut: Gott freut sich darüber, dass er dieser Welt seinen Sohn schenken kann, indem er sich ganz und gar auf sie einlässt. Gott macht sich die Frage nach Brot so sehr zueigen, dass er selbst ein bedürftiges Menschenkind wird. Das ist sein Geschenk an uns, das ist Gottes Art und Weise, sich der menschlichen Verlegenheiten anzunehmen und er möchte, dass alle sich über sein Geschenk freuen. Sein Geschenk, Jesus, verpackt er allerdings so, dass es schnell übersehen wird. Er versteckt es in einen Winkel der Weltgeschichte und legt es in eine Futterkrippe. Deswegen bestellt er das himmlische Personal nach Bethlehem ein, damit die Engel mit Musik und Licht den Hirten auf dem Feld diesen göttlichen Freudenfunken, ach, was sage ich, dieses göttliche Freudenfeuerwerk weitergeben. Aber die Hirten bekommen bei soviel Musik und Licht nur Angst und sind völlig verwirrt (so wie es bis heute vielen Menschen ergeht, wenn sie in diesen Tagen durch unsere Fußgängerzonen kommen und dabei an Weihnachten denken: sie sind ängstlich, weil sie von der Freude dieses Festes beim besten Willen nichts erfahren und sich fragen, ob sie etwas entscheidendes verpassen. Und sie sind verwirrt, weil dieser Aufwand mit Weihnachten wenig zu tun hat – oder?).
Aber die Engel schicken die Hirten auf einen Weg, auf dem sie die himmlische Freude in ganz irdischen, sogar in armseligsten Verhältnissen finden. Als sie Jesus mit seiner Mutter Maria und mit Josef aufstöbern, da wird dieses Kind für sie zum Zeichen: Gott hat sich unserer verwirrenden Menschengeschichte angenommen. Gott kennt die „Brotfrage“, er weiß um die Ungewissheit, ob es zum Leben reichen wird. Und dieses Wissen löst bei den Hirten eine unbändige Freude aus – so unbändig, dass die Gabentische in unseren Breitengraden noch von dieser ersten Weihnachtsfreude zehren.

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