Die Geschichte der St.-Andreas-Kirche
Dienstag, den 26. Januar 2010 um 11:29 Uhr

Die Kirche hat ihren Namen nach dem Heiligen Andreas, einem der zwölf Jünger Jesu, der nach der Legende den Märtyrertod erlitten hat. In der Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen wird sich das Christentum in unserem Kreis ausgebreitet haben. Damals, im Jahre 775, wird die Stadt Lübbecke das erste Mal als ein Ort Hlidbecki erwähnt.
Im Jahre 974 schenkte der Priester Nandrot den ihm gehörenden Ort mit Umgebung der Mindener Kirche. Aus dieser Verbindung Lübbeckes mit Minden entsteht das spätere sog. Stift Minden (nicht zu verwechseln mit der Diözese Minden), dessen zweiter Hauptort Lübbecke blieb. Seitdem ist die Geschichte unserer Stadt und Kirche mit dem umliegenden Land bis Anfang des 19. Jahrhunderts mit Minden verbunden, deren Bischöfezugleich die weltlichen Landesherren dieses Gebietes waren.

Oben: Weltkugel mit Kerzen; unten: Der Altarraum

1160 - 1180 wurde die Kirche auf den Fundamenten einer Feldsteinkapelle, die wahrscheinlich schon auf die Iro-schottische Mission zurückgeht, als romanische Kreuzkirche erbaut. Der Turm war zunächst nicht höher als der First des Kirchendaches. 1233 wird die Andreas-Kirche zum erstenmal urkundlich erwähnt. 1279 erhöhte man den Turm der Kirche aus militärischen Gründen; er wurde mit spätromanischen Fenstern versehen, 1295 wurde die Kirche mit einem Kollegialstift, dem sogenannten Andreasstift, verbunden. Bis dahin hatte dieses Stift seinen Sitz in Neustadt am Rübenberg. Das Stift umfasste 6 Kanonikate und 9 Vikarien und wurde reich mit Ländereien ausgestattet. Die Aufgaben lagen im gottesdienstlichen Leben, umfassten darüber hinaus aber besonders den karitativen Bereich: die Kranken- und Altenpflege.1350 wird die Kirche um die gotischen Seitenschiffe erweitert. Von diesem Ereignis zeugt eine lateinische Inschrift über dem Nordportal: "Im Jubeljahr 1350, als die Pest vorbei war, die Geissler durchgezogen sind und die Juden umgebracht wurden, ist auch diese Kirche erweitert worden".

Kunstwerk auf dem Altar
Die Reformation hat im Lübbecker Land früh ihren Einzug gehalten. Vermutlich hat die reformatorische Lehre im Stift Minden, also auch in Lübbecke, bereits 1525 Fuß gefasst. Der Dreißigjährige Krieg brachte über Lübbecke wie über das ganze umgebene Land große Not. Auch im sittlichen und religiösen Bereich lag vieles im argen. Doch sehr bald kam es unter dem Einfluss des Pietismus zu einem regen kirchlichen Leben. Als Folge der Aufklärung ging es leider um 1800 stark zurück.
1804 ordnete der letzte Stiftsdekan, Karl von Varendorf, einen allgemeinen Verkauf aller Wertsachen der St. Andreas-Kirche an. Sämtliche Grabsteine, die den Boden der Kirche bedeckten, wurden ausgehoben und als Treppenstufen, Scheunenpflaster und Futtertröge in der Stadt verwendet. Alle Altäre der Kirche, elf aus dem Mittelalter und zwei aus der reformatorischen Zeit, wurden abgerissen. Die noch vorhandenen Grabsteine und Epitaphien verdanken ihre Erhaltung allein dem Einspruch der Nachkommen der Verstorbenen. Die Standbilder in der Kirche, das Pest- und Triumphkreuz, ein gotisches Sakramentshaus von 1499, sämtliche Abendmahlsgeräte bis auf eine Patene, einen Kelch und eine Kanne fielen dem "Bildersturm" der Aufklärung zum Opfer.

Die Kanzel
Doch gerade in dieser Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts brach auch in Lübbecke die neue Zeit der Erweckung an, geprägt durch Pastor Möller (1828 -1864). Neben die Erinnerung der Predigt trat die Erneuerung der Liturgie und Seelsorge, Verständnis und Teilnahme am Abendmahl wuchsen. Künstlerisch bedeutsam in der St. Andreas Kirche sind das Triumphkreuz im Chorraum (um 1200), das holzgeschnitzte Abendmahlsrelief (16. Jahrhundert) auf dem Altar (erbaut 1961), die spätromanische Madonna (Ende 13.
Jahrhundert) an der Nordwand,die Barockkanzel (1666), der Orgelprospekt (17. Jahrhundert; die Orgel selbst stammt aus dem Jahre 1961), die Emporenbrüstung (1561) sowie Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts in und an der Kirche und der romanische Taufstein (steht erst wieder seit 1961 in der Kirche; wurde in Schnathorst entdeckt, woman ihn als Blumenschale verwendet hatte. Der bis 1961 benutzte Taufstein steht im Turmraum, er stammt aus dem 18. Jahrhundert).

Fenster
1961 wurde die Kirche restauriert. Das im vergangenen Jahrhundert in die Ostwand des Chores eingebrochene Fenster wurde geschlossen, die romanischen Fenster im Chor (Nord- und Südwand) und in den Ostwänden des Querschiffes wieder auf die ursprünglichen Maße geöffnet.
Im Chorraum legte man romanische Fresken aus dem Mittelalter frei, die an der Nord- und Südwand noch teilweise gut erhalten sind, an der Ostwand jedoch durch das im letzten Jahrhundert eingebrochene Fenster stark zerstört worden sind, so dass dort eine befriedigende Freilegung nicht möglich war. Auch in dem Seitenschiff stellte man Malereien fest, die aber nur zu geringen Teilen freigelegt werden konnten. Die Kirche hat heute vier Glocken. Die älteste wurde 1508 gegossen, die übrigen Glocken 1953.

Oben: Skulptur; unten: Uhrwerk im Turm


Keine Termine vorhanden